Selbstfahrende Autos: Uber-Fahrer will seinen Job abschaffen – Heise Newsticker

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Selbstfahrende Autos: Uber-Fahrer will seinen Job abschaffen


Daniel AJ Sokolov


Ursprünglich waren Lyft-Wägen markant gekennzeichnet.

(Bild: Raido CC-BY 2.0)

Andrew Kucharski war einer der ersten Lyft-Chauffeure. Für Uber fährt er auch. In einem Jahr will er die Seiten wechseln und an der Abschaffung der Fahrerjobs arbeiten – und eines Tages Roboter zur Versorgung selbstfahrender Autos einsetzen.

Andrew Kucharski passt nicht ins Schema des Automated Vehicles Symposium. Das ist die zur Zeit wohl wichtigste jährliche Konferenz zum Thema autonome Fahrzeuge. Autobauer und solche die es werden wollen trafen dort vergangene Woche mit Wissenschaftlern und Beamten verschiedener Länder zusammen. Kucharski war bereits zum zweiten Mal dabei, obwohl er “nur” ein Chauffeur für Lyft und Uber ist. Aber nicht mehr lange. In San Francisco hat er heise online seine Geschichte erzählt.

Vom vernetzten zum autonomen Auto

Rush hour

Das selbstfahrende Auto erlebt eine nahezu wundersame Verwandlung: Von einer verwegenen Idee, mit der sich die Nerds bei Google beschäftigten, zur Vision für die Fortbewegung der nahen Zukunft.

Seit dreieinhalb Jahren fähtrt Kucharski in San Francisco sowohl für Lyft als auch für Uber. Bei Lyft war er einer der Fahrer der ersten Stunde, doch bald meldete er sich auch bei Uber an. Beide Apps laufen, bis ein Auftrag hereinkommt. Dann wird die andere App vorübergehend deaktiviert. Die Vermittlerfirmen hätten damit kein Problem, erzählt der Fahrer.

“Im ersten Jahr gab es bei Lyft eine andere Kultur. Die Fahrgäste haben meistens vorne gesessen”, berichtet Kucharski aus den Anfangstagen, “Die Passagiere waren mehr geerdet, es war persönlicher, und wir haben uns unterhalten. Uber-Kunden saßen hinten. Sie wollten nicht so viel reden […] und waren am Handy oder Laptop [beschäftigt].” Heute ist der Unterschied nicht mehr so groß.

In fünf Jahren arbeitslos

Ein Jahr lang möchte Kucharski noch Chauffeur sein. Dann will er versuchen, bei Uber oder Lyft eine Vollzeitstelle in der Abteilung für selbstfahrende Autos zu bekommen. “Schon an der Uni war es meine Leidenschaft, an fahrerlosen Autos mitzuarbeiten”, erinnert sich Kucharski. Fahrer wurde er wegen der flexiblen Arbeitszeiten. “Später habe ich gehört, dass Lyft und Uber begonnen haben, sich mit autonomen Fahrzeugen zu befassen. Daher wollte ich [zum Automated Vehicles Symposium]kommen, um mehr zu erfahren. […] Denn ich habe gehört, dass sie eines Tages wahrscheinlich den Fahrern kündigen werden.”

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“Vielleicht in fünf Jahren bis zehn Jahren” werde es Fahrzeuge mit Automatisierungsgrad 5 nach SAE-Einstufung geben, schätz er, “und Level 4 wird innerhalb von fünf Jahren kommen”. “Ich habe andere Fahrer gewarnt: ‘Arbeitet jetzt und verdient Geld, anstatt Urlaub zu nehmen, denn die Dinge werden sich ändern.’ Manche hat das motiviert, andere haben meinen Rat ignoriert.”

Das sich selbstbedienende Auto

Ethische Fragen rund um autonome Fahrzeuge findet er besonders faszinierend, etwa nach welchen Kriterien ein Fahrzeug entscheiden soll, welches von mehreren Hindernisse es rammt, wenn sich ein Zusammenstoß nicht vermeiden lässt. Als größte Hürde für die Einführung selbstfahrender KFZ erachtet er allerdings die IT-Sicherheit. “Das ist das größte Risiko. Wenn […] sich jemand in das System hackt und es massenhaft Unfälle gibt, wie geht man damit um?”

Selbst hat er auch schon eine einschlägige Geschäftsidee: Eine vollautomatische Servicestation für selbstfahrende Autos. “Zum Auftanken, zum Waschen, zur Reifenrotation”, weil es derzeit oft lange Wartezeiten gäbe, “Roboter sollen diese Art von Service für autonome Fahrzeuge machen.”

Einer von 10.000

Obwohl Kucharski gehörlos ist und nicht spricht, klappt die Kommunikation mit seinen Kunden seinen Angaben zu Folge gut. Ein Bluetooth-Keyboard, das mit seinem iPhone verbunden ist, ermöglicht getippten Smalltalk. Aber natürlich nur, wenn das Fahrzeug steht. Sollte es notwendig sein, kann Kucharski auf einen Videodolmetsch-Dienst zurückgreifen, der in den USA steuerfinanziert flächendeckend angeboten wird.

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Und die Uber-App informiert Kunden, die ihren Fahrer anrufen wollen, dass dieser gehörlos und nur per SMS erreichbar ist. Für Kucharskis Fahrgäste sei seine Gehörlosigkeit auch kein Problem: “Es läuft wirklich toll. Ich hatte bisher insgesamt zirka 10.000 Fahrgäste. […] Nur ein Fahrgast war etwas verzagt, weil ich gehörlos bin. Das war aber nur Einer.”

100 Wochenstunden, aber ohne Sidecar

Zehntausend Fahrgäste in dreieinhalb Jahren hat Kucharski geschafft, weil er üblicher Weise sechzig bis hundert Stunden die Woche arbeitet: “Das ist verrückt. Aber ich genieße das Herumfahren wirklich. Ich arbeite, um Geld zusammenzusparen”, und um auf Reisen gehen zu können.



Sidecar-Logo

Das Sidecar-Logo hat ausgedient.

Vergrößern

Bild: Sidecar



Zum Chauffeur wurde der Amerikaner auf Anraten seines ebenfalls gehörlosen Mitbewohners PJ. PJ hatte sich zunächst beim Vermittler Sidecar beworben, der ihn aber ob seiner Gehörlosigkeit ablehnte. Bei Lyft wurde der Mann aufgenommen und deren erster gehörlose Fahrer überhaupt.

Inzwischen rekrutiert Lyft auch gezielt gehörlose Fahrer und hilft bei der Organisation ihrer Stammtische. Sidecar gibt es heute nicht mehr. Der Vermittler musste den Betrieb mangels Erfolges Ende vergangenen Jahres einstellen.


(ds)



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