Mitfahrdienst Uber entdeckt in Asien das Zweirad – FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Zwei Stunden, manchmal drei Stunden kann es dauern, in Bangkok, Jakarta, Manila oder Bombay sein Ziel per Taxi zu erreichen. Autofahren ist in den asiatischen Metropolen in der Regel gleichbedeutend damit, in schier endlosen Staus zu stehen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in Jakarta beträgt im Berufsverkehr weniger als sechs Kilometer in der Stunde. Der Ausweg: Motorrikschas, die sich durch den stehenden Verkehr schlängeln, oder, noch schneller, Mopeds. Die verpesten zwar die Luft und nerven die Menschen mit ihrem Lärm. Doch wenigstens ziehen sie an den stehenden Autos vorbei.

Christoph Hein


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Das hat nun auch der umstrittene Taxidienst Uber bemerkt und reagiert: Am vergangenen Mittwoch boten die Amerikaner ihren ersten Moped-Taxidienst in der thailändischen Hauptstadt an. Einen besseren Tag hätten die Amerikaner kaum wählen können: Denn am Mittwoch brach auch der Verkehr mit der Hochbahn BTS Skytrain zusammen, so dass die Pendler besonders lange im Stau festhingen.

Ubermoto, wie der neue Moped-Taxidienst in Bangkok heißt, soll dem jungen Unternehmen neue Kunden in Asien in die Hände spielen, die eher gewohnt sind, auf ein chauffiertes Moped aufzuspringen, als für ein klassisches Taxi zu zahlen und im Stau zu enden. Schon im vergangenen Jahr hatte Uber in Delhi für eine kurze Zeit versucht, in den Markt für dreirädrige Motorrikschas vorzudringen, das Experiment aber bald wieder aufgegeben.

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In Thailand ist der Moped-Markt gut organisiert, und zwar nicht erst, seitdem das Militär die Macht übernommen hat: Moped-Taxis sind registriert, die meisten Fahrer tragen die vorgeschriebenen Westen mit Nummern, und manche bringen sogar einen Helm für ihre Gäste mit. Weil das Moped mehr und mehr zum passenden Transportmittel in der thailändischen Hauptstadt wird, spricht manches für einen Erfolg von Uber.

Grab-Taxi war schneller

Allerdings sind sie nur die Nummer zwei: Denn der große Uber-Konkurrent in Asien, Grab-Taxi aus Singapur, war diesmal schneller. Schon im vergangenen Jahr begannen die Asiaten, einen Motorrad-Taxiservice in Bangkok aufzubauen. Damit kämpft Uber dort nun an zwei Fronten: Gegen Grab-Taxi, die am Mittwoch gleich einen Rabatt boten, um die von der Hochbahn-Verspätung verärgerten Kunden einzusammeln. Und gegen die alteingesessenen Motorradtaxis, die am Straßenrand auf ihre Kunden warten. Den Menschen in Bangkok wird es recht sein.

Die Taxifahrer sind bekannt dafür, nicht zimperlich zu sein. Die meisten kennen sich kaum aus, weil sie vom Land neu in die Stadt kommen, und viele weigern sich, ihr Taximeter einzuschalten. Uber und Grab-Taxi machen durch ihre Konkurrenz Druck, kundenfreundlicher zu werden.

Allerdings stößt Uber, das inzwischen in 68 Ländern unterwegs ist, in Asien immer wieder auf hohe Hürden: In Indien und Indonesien war der Dienst nach Sicherheitsvorfällen jeweils verboten. In China leiden die Amerikaner unter der heimischen Kopie ihres Geschäftsmodells, Didi Kuaidi, im anderen Riesenmarkt Indien unter Ola. Gemeinsam mit der amerikanischen Uber-Konkurrenz Lyft haben die Konkurrenten eine Allianz geschmiedet, um Ubers Vorpreschen in Asien aufzuhalten.

Mehr als eine Milliarde Dollar verloren

Uber-Gründer Travis Kalanick räumte gerade ein, das Unternehmen aus San Francisco habe allein im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Dollar in China verloren – viel Geld, auch für ein Unternehmen, das Investoren mit rund 50 Milliarden Dollar bewertet sehen.

Und überall hat sich Protest gegen die Billig-Taxis via App organisiert. Der dürfte nun auf die Moped-Fahrer überspringen. Chalerm Changthongmadan, der Vorsitzende der Vereinigung der Taxi-Mopedfahrer in Thailand, sieht seine Zunft bedroht: „Ich denke, das wird zum Konflikt unter jenen führen, die in dieser Branche arbeiten.“

Schwierig aber dürfte es für Uber vor allem werden, seine Versprechen der Sicherheit und Regeltreue zu halten: Demnach müssten die Uber-Mopedfahrer ihren Gästen Helme aufzwingen und die Verkehrsregeln in Bangkok beachten. Genau dies aber machte sie unattraktiv für die Gäste, die es eilig haben und Helme hassen.



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