Taxi in Bangkok: Uber steigt auf das Motorrad – WirtschaftsWoche

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„Wir sind sehr optimistisch, was das Potenzial in anderen Schwellenländern angeht“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. „Schon sehr bald dürfte es weitere Neuigkeiten darüber geben.“ Das Konzept habe man extra für die aufstrebenden Volkswirtschaften entwickelt.

Grund sind die enormen Verkehrsprobleme der schnell wachsenden Metropolen: In den verstopften Megacitys der Schwellenländer kommen Autos kaum noch voran, die Infrastruktur hält mit der Zuwanderung nicht Schritt. Bangkok, eine Stadt mit rund zwölf Millionen Einwohnern, hat nur drei Hochbahn-Linien und eine Metro-Linie. Dem Stop-Start-Index der Motoröl-Firma Castrol zufolge stehen Autofahrer durchschnittlich fast 40 Prozent ihrer gesamten Fahrzeit im Stau.

Die mehr als 90.000 registrierten Motorrad-Taxis sind so oft die einzige Möglichkeit, schnell ans Ziel zu gelangen. An fast jeder Straßenecke stehen die Fahrer mit den orangefarbenen Westen und warten auf ihre Kunden. Auch in anderen Städten in Südostasien, wie beispielsweise Jakarta, sind Motorrad-Taxis das Mittel der Wahl, wenn es mal schnell gehen soll.

Abstriche muss man dafür beim Komfort und der Sicherheit machen: Die Fahrer nehmen gerne Abkürzungen über Gehwege, müssen oft direkt hinter einem Bus-Auspuff halten und manchmal scheinen sie noch nicht einmal nüchtern zu sein. Uber verspricht jedoch höhere Sicherheitsstandards. So soll den Passagieren immerhin ein Helm zur Verfügung gestellt werden – bei regulären Fahrten ist das bisher die Ausnahme.

Wettbewerb zwingt zur Offensive

Zudem will das Unternehmen den Hintergrund der Fahrer prüfen. Die Motorrad-Chauffeure seien von der Stadt lizenziert und würden nicht nur für Uber fahren, sondern blieben selbstständig. Ob sich genügend Chauffeure überzeugen lassen, ist noch unklar.

Bei einer kurzen Umfrage unter Fahrern am Mototaxi-Stand stößt Uber auf ein geteiltes Echo. Während ein Fahrer glaubt, durch Uber künftig Leerfahrten und Wartezeiten zu vermeiden, ist ein anderer skeptisch. Er will seine Preise weiterhin lieber selbst festlegen, und nicht an Uber abgeben. Das Unternehmen zeigt sich trotzdem optimistisch, genügend Partner zu finden: Ziel sei es, dass Kunden nicht länger als zwei Minuten warten müssten, bis das Motorrad-Taxi vor ihnen steht.

Uber bleibt nichts anderes übrig als in Asien in die Offensive zu gehen: Der starke Wettbewerb zwingt zu Experimenten. In Indien, wo das Unternehmen vom heimischen Wettbewerber Ola getrieben wird, hat das Unternehmen auf Wunsch der Kunden beispielsweise ein Bargeld-Bezahlsystem eingeführt. Doch nicht alles gelingt: Ein Projekt mit Auto-Rikschas in Neu Delhi wurde nach sieben Monaten wieder eingestellt.

Auch in China spürt das Unternehmen heftigen Gegenwind. Erst diesen Monat verriet Uber-Chef Travis Kalanick, dass sein Unternehmen wegen harter Konkurrenz dort jedes Jahr rund eine Milliarde US-Dollar Verlust mache. In der Volksrepublik kämpfen die Amerikaner gegen Rivalen wie Didi Kuaidi, hinter dem die chinesischen Technologie-Konzerne Tencent und Alibaba stehen.

Auf die Idee, nun auch die beliebten Motorrad-Taxis und deren Kunden zu vernetzen, ist Uber aber nicht als erstes gekommen. Es gibt bereits äußerst erfolgreiche Vorbilder. Für das indonesische Start-Up Go-Jek fahren bereits mehr als 200.000 Fahrer, die meisten davon in Jakarta. Das Unternehmen ist eines der Aushängeschilde der indonesischen Gründerszene.



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